Initiative "Bürger Für Dilldorf"

(Seite zuletzt bearbeitet: Juni 2011)

Es gibt jetzt zur Geschichte Dilldorfs eine eigene Seite:

http://www.carookee.de/forum/altdill

 

 

So war es mal....

Historisch gesehen, ist Dilldorf ein eher mager beschriebenes Blatt. Gesicherte Erkenntnisse über seine Geschichte gibt es eigentlich nur im Zusammenhang mit der ehemaligen Abtei Werden, zu deren Einzugsbereich auch Dilldorf gehörte.

Dass der Ort bereits im jahr 875 als "Thidella" erwähnt wurde, konnten wir nachlesen, aber die Quelle dazu nicht finden.

Allgemein wird vermutet, dass der Name "Dilldorf" vom "Dorf an der Deile" herrührt. Die Herkunft des Namensteils „Deil“ (in Deilbach, Deilmannshof, Deile, Deiler Mühle) ist nicht gesichert. Das althochdeutsche „didelaa“ (dillen, didelen, diddeln = unruhig sein, unruhig fließen) weist auf ein unruhiges Gewässer hin.

„Dilldopp“ war früher der Name für einen Spielzeugkreisel, aber auch für ein sehr unruhiges Kind. Das Flüsschen Dill hat wie der Deilbach einen unruhigen Verlauf mit vielen Windungen - hier könnte ein gemeinsamer Namensursprung liegen.

Weiter finden sich in alten Urkunden die Bezeichnungen Thidelda, Tithelda und Didele für den Deilbach.

Aber auch „Teilbach“ kommt in Betracht, da der Bach in etwa die Grenze zwischen Sachsen und Franken und später zwischen der preußischen Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg markierte. Später trennte der Deilbach das Rheinland von Westfalen.

Die frühen Ansiedlungen im Tal des Deilbach mögen Menschen bewogen haben, sich in der Nähe niederzulassen und die Grundlage für das Dorf Dilldorf zu legen. Denn am Deilbach gab es Arbeit:  Deilmannshof, Deiler Mühle, Kupferhammer und Eisenhammer bis zum Beginn des Industriezeitalters; danach Bergbau und Ziegeleien, zahlreiche Steinbrüche, Eisenbahn, Phönixhütte, Zementfabrik.

Vor dieser Zeit war Dilldorf eine Bauernschaft in Lehnsabhängigkeit zur Herrschaft Hardenberg. Die Fron wurde 1551 abgeschafft. Inmitten der reformierten Herrschaft Hardenberg blieb die Dilldorfer Bauernschaft als einzige katholisch; vermutlich, weil der Abt von Werden Sonderrechte besaß.

Bis 1801 gehörten die Dilldorfer kirchlich gesehen zu Werden - und hatten gewaltige Fußwege zurückzulegen, um dort den Gottesdienst zu besuchen. Am 1.September 1801 war es dann soweit: nach Genehmigung durch den Werdener Reichsabt konnte in der neuen, kleinen Kapelle am Rathgeberhof (heute Altbau am Marienheim) die erste Messe in Dilldorf gefeiert werden. 1814 folgte die Einweihung eines eigenen Friedhofs. Damit hatte Dilldorf ein Stück Selbständigkeit gewonnen.

Im Laufe der Jahrzehnte war die Kapelle zu klein geworden. Dilldorf war Rektoratspfarrei und konnte 1879 die erste richtige Kirche in Besitz nehmen. 1907 schloss die Entwicklung mit der Erhebung zur eigenständigen Pfarrei ab.

 

Unterricht und Schule in Dilldorf

Die Geschichte der katholischen Pfarrei ist eng mit der Dilldorfer Schule verbunden. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren die meisten Dilldorfer wohl des Lesens und Schreibens unkundig. In der Kupferdreher Chronik wird aber berichtet, dass etwa ab 1780 ein "Friedrich Leven" den Dilldorfer Kindern Unterricht erteilte, und zwar in einem Nebenbau des Priemenhofes (heute im Bereich der Firma Getränke Michel).  "Meister Leven" war eigentlich Holzschuhmacher und konnte Lesen und Schreiben. Er führte den Titel "Lehrer in Dilldorf" und leitete eine sogenannte "Heckenschule" mit 18 - 12 Schülern. Die offizielle Schule für die Dilldorfer Kinder befand sich in Werden und war wegen des weiten Weges für die meisten nicht erreichbar. Im Jahre 1800 genehmigte der Reichsabt von Werden eine Schule in Dilldorf, die dann 1801 von dem Franziskanerpater Dohmen gegründet wurde. Der Schulraum war an die neue Kapelle angebaut. 1808 bekam die Schule durch den Einsatz eines ausgebildeten und fest angestellten Lehrers den offiziellen Status einer Volksschule. Der Lehrer Johann Bahnscheid nahm am 8.10.1808 seinen Dienst auf.  Bis 1814 wurde in der Kapelle unterrichtet, dann gab es die erste „richtige“ Schule am Rathgeberhof, ein Anbau an die Kapelle. Den Berichten nach handelte es sich um das Haus, das heute noch dem Marienheim vorgelagert ist. Lehrer Bahnscheidt wurde 1817 nach Byfang versetzt, da er in Dilldorf offensichtlich Probleme hatte. Zu dem Zeitpunkt besuchten etwa 40 Kinder die Dilldorfer Schule. Nachfolger wurde der Lehrer  Heinrich Timmerscheidt im Alter von 17 Jahren. Er blieb 47 Jahre lang Lehrer in Dilldorf.

1839 besuchten schon 130 Kinder die Schule an der Kapelle. Ein Neubau der Schule mit 2 Klassenräumen oberhalb der Kapelle (heute Rathgeberhof 5) wird für das Jahr 1840 berichtet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs die Schule rasch, da die Industrie in Dilldorf viele Familien anzog. Die Gesellschaft "Phönix" baute in Dilldorf Hochöfen und schuf damit viele Arbeitsplätze. Bald wurden an die 300 Kinder von 2 Lehrern in 2 Klassen unterrichtet. Zeitweise befanden sich 160 Kinder in einem Klassenraum, darunter viele Kinder ohne Deutschkenntnisse, weil die Eltern aus dem Ausland zugezogen waren. 1863 gab es den nächsten Um- und Anbau für eine reine Mädchenklasse.

Als 1879 die Dilldorfer Kirche eingeweiht wurde, war die Kapelle frei und konnte nun komplett zum Schulgebäude umgestaltet werden, das 1882 bezogen wurde. 1889 besuchten 682 Kinder die Schule in Dilldorf, dazu zählten aber auch Kinder aus Hinsbeck und Hamm.  1893 bzw. 1898 wurden dort ebenfalls Schulen errichtet, so dass die Dilldorfer Schule entlastet werden konnte.

Ab 1881 gab es eine eigene  Schule für die evangelischen Kinder, der Unterricht fand zunächst in der Gaststätte Bender (heute Talburg) statt.  Zuvor besuchten die evangelischen Kinder die Hinsbeckschule in Kupferdreh. 1885 bezog man dann auf dem Priemberg eine zweiklassige Schule, die immerhin bis 1930 geführt wurde und auch evangelische Kinder aus Voßnacken und Rottberg aufnahm. Die meisten evangelischen Kinder aus Dilldorf konnten 1902 endlich die neue Deilbachschule beziehen.

Die Situation für die katholischen Schulkinder und Lehrer blieb in Dilldorf aber unbefriedigend - und nicht nur das. Die Schule machte krank. Beim Entlassjahrgang 1930 litten 50% der Abgänger an tuberkulösen Infektionen, und auch in den anderen Jahrgängen waren TBC-Erkrankungen unverhältnismäßig hoch. Als Grund wurde das marode Schulgebäude gesehen: so feucht, dass nicht einmal der Mörtel an den Wänden hielt, und ohne jede Sonneneinstrahlung. Es war klar, dass ein kompletter Neubau nach Dilldorf musste, doch die Planungen zogen sich wegen des fehlenden Geldes hin.

Die letzte Schule in Dilldorf, die Dilldorfschule an der Oslenderstraße, wurde am 10.11.1933 im Rahmen des Martinszuges eingeweiht, endgültig fertig war sie aber erst 1935. Seit 1923 unterrichtete dort die Lehrerin Maria Koch aus Überruhr, die nach dem 2. Weltkrieg Schulleiterin wurde, später gefolgt von der Montessori-Pädagogin Ina Fischer. Während der letzten Kriegsjahre fand kein Unterricht statt, die Schule wurde, wie die meisten Essener Schulen, geräumt. Das Schulgebäude war mal von Soldaten, mal vom Postscheckamt belegt. Viele Kinder besuchten deshalb Schulen in umliegenden Gemeinden, einige nahmen an der "Kinderlandverschickung" in sichere Gegenden Deutschlands teil. Nach dem Krieg fand der Unterricht zunächst für alle Dilldorfer Kinder in der Deilbachschule statt, ehe 1948 die Dilldorfschule wieder bezogen werden konnte. Sie blieb bis 1968 eine katholische Grundschule, teilweise mit einem Montessori-Zweig.  Evangelische Kinder aus Dilldorf besuchten die Deilbachschule. 1968 wurde die Dilldorfschule eine Städtische Gemeinschaftsgrundschule, die alte Deilbachschule diente zunächst als Sonderschule, später als Übergangswohnheim, inzwischen sind dort städtische Werkstätten untergebracht.
 2010 kam das Aus für die Dilldorfschule - die Dilldorfer Kinder gehen jetzt nach Kupferdreh.

(Anmerkung: Bei einigen Jahreszahlen zur Schule in Dilldorf gibt es in den Chroniken leichte Unterschiede, auch sind die jeweiligen Schulgebäude nicht immer klar definiert.)

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Auch wenn hier nur Bruchstücke der Dilldorfer Vergangenheit dargelegt werden können, darf doch die Kaserne nicht vergessen werden. Sie wurde 1937 auf dem Phönixberg erbaut und von einer  Flakabteilung bezogen. 1945 zogen Britische Soldaten in die Kaserne und blieben, bis die Bundeswehr die Anlage 1957 übernahm. Bis 1964 wurde die Unterkunft, die jetzt den Namen „Ruhrlandkaserne“ trug, komplett renoviert. 1994 gab die Bundeswehr den Standort Kupferdreh auf - damit beginnt die Geschichte der Dilldorfer Höhe.

Dass Dilldorf heute ein Teil Kupferdrehs ist, entschied sich 1895. Damals kam (ob zur Freude der Einwohner ist nicht überliefert) Dilldorf zur Gemeinde Kupferdreh, die 1896 zur Bürgermeisterei erhoben wurde. 1929 erfolgte die Eingemeindung nach Essen. Damit waren nun auch die Dilldorfer Essener.

In den letzten Jahrzehnten ist aus dem ehemals kleinen Dorf mit seinem beschaulichen Umfeld eine durch Verkehrsadern zerrissene Ansiedlung zwischen 2 Gewerbegebieten geworden. Die alten Dilldorfer denken mit Wehmut an die Zeit zurück, als die Straßen für den Dilldorfer Verkehr noch ausreichten und nicht Lkws Tag und Nacht, auch an Sonn- und Feiertagen, durch das Dorf donnerten. Für die neuen Dilldorfer ist es, so scheint es jedenfalls, ein Stück Selbstverständlichkeit.

Wer mehr über Dilldorf und Kupferdreh erfahren möchte, dem sei die Literatur empfohlen, die auch hier verwandt wurde:

 Kupferdreh auf Kohle und Stein Essen 1983 (1. Auflage)     

Kupferdreh in 9 Jahrzehnten Festschrift zum 90jährigen Jubiläum der Bürgerschaft Kupferdreh e.V. (1987)

Kupferdreher Hefte Heft 2: Das Deilbachtal Kupferdreh 1995

200 Jahre Gemeinde St. Mariä Geburt Hg. von der Pfarrgemeinde 2001

(Weitere Literatur im Handel und in der Stadtbücherei Essen)

 

Außerdem empfehlen wir die Homepage des Kupferdreher Heimatforschers J.Rainer Busch:

www.ag-essener-geschichtsinitiativen.de/html/johann_rainer_busch.html

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